Interview: Waterdown
1. Stellt euch mal kurz zum Anfang vor, wer was in der Band macht, woher ihr kommt und was ihr für Musik spielt.
Was steckt hinter eurem Bandnamen?
Wir sind alte Typen, die auf jung machen. Allerdings mehr schlecht als recht. Zacken singt und kommt aus Bünde bei Bielefeld. Phil und Axel spielen Schlagzeug und Gitarre und kommen beide aus Ibbenbüren. Holger spielt Gitarre und wohnt mittlerweile in Münster, und ich bin Christian, Bassist und aus Osnabrück. Das klingt ziemlich verstreut, ist es aber gar nicht wirklich. Wir haben drei Alben auf Victory Records veröffentlicht („Never Kill The Boy On The First Date“, 2001 / „The Files You Have On Me“, 2003 / „All Riot“, 2006), ausserdem eine EP auf Two Friends Recordings („drawasmilingface“, 2000) und eine Split-EP mit der kanadischen Band By A Thread, die auch ein ziemlich geiles Album auf Revelation gemacht haben. Die Split ist auch auf Two Friends und von 2002. 2008 haben wir dann unsere momentan neueste EP veröffentlicht, die „Powersnake“ heißt und auf Blacktop Records erschienen ist. Wir machen Musik, die uns gefällt. Das kann ziemlich unterschiedlicher Kram sein, wenn man sich alle Releases vor Augen führt. Das ist immer ein bisschen abhängig davon, was uns gerade begeistert. Grundsätzlich stehen wir auf Hardcore, Metal und Punkrock gleichermaßen, haben aber auch ein Faible für Emo, wie er in den Neunzigern gemacht wurde. Wir wurden in den letzten Jahren öfter in die Screamo- bzw. Metalcoreschiene gesteckt, dort fühlen wir uns aber überhaupt nicht wohl. Wir sind wie gesagt alt und haben mit jungen Bands und Trends nix zu tun. Wir ziehen unsere Einflüsse eher aus Snapcase, den Gorilla Biscuits, Lifetime, Slayer, Faith No More, Rancid und Alice In Chains als aus neueren Bands. Enge Hosen und schiefe Frisuren sind auch nicht unser Ding, damit würden wir bei unserem Bandübergewicht auch echt beschissen aussehen.
Unser Bandname bedeutet „verwässern“, was sich in unserem Fall auf das Verwässern, also Schönreden von Aussagen und Taten bezieht, um so besser dazustehen. Etwas, das in unserer Gesellschaft in allen Schichten weit verbreitet ist. Ich würde unseren Namen daher als klassisch-kritischen Hardcore/Punkbandnamen bezeichnen, den man natürlich auch politisch interpretieren darf.
2. Erstmal Glückwunsch zum 10 Jährigen. Wann wird das passende neue Album dazu kommen?
Danke. Wir nehmen gerade Demos für das Album auf und sind zu dem Entschluss gekommen, dass uns zur absoluten Zufriedenheit noch ein Song fehlt. Daran arbeiten wir also parallell zu den Demoaufnahmen. Sobald alles fertig ist und wir zufrieden sind, nehmen wir richtig auf und wollen das Album auf jeden Fall noch in diesem Jahr raushauen. Wir wissen nur noch nicht, wo genau. Wir werden uns mit den fertigen Aufnahmen auf Labelsuche begeben. Da wir unser eigenes Studio haben und unser Drummer Phil unser Produzent ist, haben wir keinen Zeitdruck. Wir arbeiten so lange an den Songs, bis wir alle komplett von den Socken sind. Das ist ein ziemlicher Luxus.
3. Bei euch läuft vieles gerade seit einiger Zeit ruhiger ab. Woran liegt es?
Das liegt einerseits daran, dass wir nicht mehr auf Victory sind und damit nicht mehr die Maschine im Rücken haben, die die nun mal ans Laufen bringen können, wenn sie wollen. Auch wenn wir noch viel gemacht haben, bekommt man das eben jetzt nicht mehr an jeder Ecke aufs Brot geschmiert wie früher. Wir waren aber 2007 mit den Gorilla Biscuits auf Europatour, haben letztes Jahr unsere EP gemacht und sind dafür auch auf Headlinertour gewesen. Dann haben wir noch einige Festivals gespielt (zum Beispiel in Lettland) und die Deutschlandshows von Thrice supportet. Das ist ja nun nicht nix. Man hat es vielleicht nur nicht immer so mitbekommen. Allerdings sind wir mittlerweile auch alle im Berufsleben und nicht mehr in der Lage, so oft zu touren, wie wir es als Studenten noch waren. Wir würden zwar gerne mehr machen, aber das ist leider finanziell kaum möglich, wenn man wie Phil und ich selbständig ist, schon lange nicht mehr bei den Eltern wohnt und auch sonst keine Unterstützung bekommt. Wir machen halt so viel, wie wir können, ohne uns dabei zu ruinieren. Von der Musik leben konnten wir noch nie, arbeiten mussten wir immer, aber die Umstände sind auf jeden Fall schwieriger für uns geworden. Ist ja auch alles teurer als früher. Wir haben aber immer noch sauviel Bock auf diese Band, und deshalb werden wir in absehbarer Zeit auch nicht aufhören.
4. Was für interesante Städte und Länder habt ihr bereist? Gibt es da eine besondere nette(/schreckliche Anekdote zu erzählen?
Also, wir waren in den zehn Jahren ziemlich viel unterwegs und haben über 600 Shows in 15 Ländern gespielt. Highlights und schreckliche Erlebnisse gab es da echt viele. Die erwähnte Tour mit den Gorilla Biscuits war für uns eine riesengroße Sache, weil wir uns damit einen Traum erfüllen konnten. Wir sind halt absolute Biscuits-Fans und stehen auch sauhart auf Civ, Quicksand, Rival Schools und die ganzen anderen Sachen, die die Typen in ihrem Leben gemacht haben. Das sind Legenden! Uns war vollkommen bewußt, dass wir auf der Tour nicht auf Gegenliebe beim Publikum stoßen würden, aber darum ging es uns nicht. Wir haben 17 Shows der Tour mitgespielt, haben sie jeden Abend live gesehen und hatten eine wahnsinnig gute Zeit mit ihnen. Außerdem fühlten wir uns geehrt, weil die Biscuits uns eingeladen haben. Da wurden ja viele Gerüchte verbreitet, die ziemlich an den Haaren herbeigezogen sind, aber in Wirklichkeit kam der Kontakt zustande, weil wir mal zwei Shows mit Rival Schools gespielt haben, Walter uns also kannte, und der Tourmanager von GB uns ebenfalls noch von unserer 2000er Tour mit Snapcase und Avail in Erinnerung hatte. Die haben nach ner deutschen Band gesucht und sind auf uns gekommen. Andere Sachen, an die wir uns immer zurückerinnern werden, sind die US-Tour 2001, bei der wir fünf Wochen unter anderem mit Thursday, Drowningman und Skycamefalling unterwegs waren und im CBGB’s spielen durften. Wir waren zwei Wochen vor den Anschlägen am 11. September 2001 noch an den Twin Towers und sollten eigentlich am 11.September von Newark, NJ aus zurückfliegen. Weil unser damaliger Sänger Marcel aber Stimmprobleme hatte, mußten wir etwas früher nach Hause. Das ist ein ziemlich krasser Gedanke. Auf dieser US-Tour alleine haben wir unglaubliche Sachen erlebt, die aber den Rahmen hier definitiv sprengen würden. Vielleicht schreiben wir das mal irgendwo auf und veröffentlichen unsere Memoiren, haha. Ansonsten fallen mir gerade die Tour mit Sick Of It All und Rise Against 2002 ein, die für uns ebenso irreal war wie die mit GB. Und die mit Pennywise und Stretch Arm Strong in England und Holland 2005. Was Länder und Städte angeht, muss man auf Tour immer aufpassen, dass man sich Zeit nimmt, um wirklich die Chancen zu nutzen, so viele Dinge wie möglich zu sehen. Es besteht ein bisschen die Gefahr, dass man sich nur im Van und im Club aufhält und gar nicht viel von der eigentlichen Stadt und dem Land mitbekommt. Das haben wir lange nicht gepackt und damit sicher viel verpaßt. Inzwischen achten wir da sehr genau drauf und versuchen, so viel wie möglich zu sehen. Lettland war ein Kulturschock, Paris war der Hammer, Rom, Barcelona und London auch.
5. Was heisst Touren für euch? Flucht aus dem Alltag, Stress, oder Party?
Das kommt wohl drauf an, wen von uns du in welcher Laune erwischst. Die Antworten können da ziemlich unterschiedlich ausfallen. Es gibt bei uns Leute, die sich um alles kümmern, und Leute, die sich nen Lenz machen und hauptsächlich lesen und Süßigkeiten vertilgen, haha. Nee, im Ernst: Touren ist etwas, dass, wenn die Stimmung in der Band gut ist, das beste Erlebnis überhaupt sein kann. Da ist es auch vollkommen egal, ob man vor zehn oder vor 1.000 Leuten am Abend spielt. Es ist definitiv eine Flucht, die uns hilft, mit dem Arbeitsalltag klarzukommen. Trotzdem vermisst man Freundinnen, Familien und Freunde, wenn man lange unterwegs ist. Und stressig ist es auf jeden Fall auch oft, vor allem für diejenigen von uns, die sich um fast alles kümmern. Das sind bei uns Phil und ich. Party ist es auch, meistens aber für die anderen. ;)
6. Gibt es in Osnabrück eine Core-Szene? Ist Ibbenbüren wirklich so geil, manche behaupten, das wäre HC-City No1 ?
Osnabrück hat so gut wie keine wirkliche Szene. Es gibt inzwischen zwar einen ganz guten Club und auch wieder DIY-Shows in Wohnzimmern, aber von einer wirklichen Szene mit vielen Bands, Veranstaltern und Kids würde ich nicht sprechen. Ibbenbüren ist schon ein Phänomen, auch wenn ich das nicht unbedingt auf die wirkliche HC-Szene beschränken würde. Allgemein die Vielzahl guter Bands und die Größe der alternativen Punk- und Hardcore-Szene, aber auch die Unterstützung der Kids für lokale Bands ist schon ein ziemlicher Hammer. Wenn man die Größe der Stadt bedenkt, ist das Aufkommen von Bands, szeneaktiven Leuten und Kids wirklich ungewöhnlich.
7. Mal ehrlich die Three Chords-Leute überbewerten Münster oder? Wollt ihr zu der Stadt und ihrer angeblichen Spitzenreiterrolle Stellung nehmen?
Ich bin kein Münsteraner und bin nur manchmal auf Shows dort, finde aber, dass man der Stadt schon in jeder Sekunde ansieht, dass es dort viele Clubs und Shows gibt, dass Green Hell dort beheimatet ist und dass der Titus Skateboard-Mailorder dort seinen Sitz hat. Man sieht wirklich ungewöhnlich viele Kids, die man der Hardcore-, Punkrock-und Skate-Szene zuordnen kann. Gute Bands gibt’s dort aber auch an jeder Ecke, von daher ist Münster schon recht weit vorne in Deutschland, denke ich. Das Gleiche kann man aber momentan auch über viele andere Städte und Gegenden in Deutschland sagen, finde ich. Alleine was im Osten in der Gegend um Roßwein und Saalfeld seit Jahren geht, ist echt beeindruckend.
8. Um den Konflikt auszubauen, wem gehört eher euer Fussballherz?
Preussen Münster oder VfL Onsabrück?
Ach, wir sind nicht wirklich große Fußballfans. Früher als Kinder waren wir das eher, aber auch da waren wir nicht lokalpatriotisch unterwegs. Ich war zum Beispiel damals Werder Bremen-Fan. Das war allerdings zur Zeit von Völler und später Kalle Riedle, ist also inzwischen echt lange her. Wie gesagt, wir sind alt.
9. Was bedeutet Hardcore 2009 für euch? Haben sich Werte und Einstellungen geändert?
Hardcore bedeutet für mich persönlich, zu meinen Einstellungen und den Entscheidungen, wie ich mein Leben lebe, zu stehen. Ich will damit aber niemanden überzeugen und beeinflussen. Ob sich Werte und Einstellungen für andere geändert haben, weiß ich nicht. Das will ich mir aber auch nicht anmaßen, da jetzt irgendwen zu kritisieren. Vielleicht ist die Szene größer geworden und dadurch von ihren Ursprüngen entfernt worden. Das finde ich aber nicht wichtig, weil es im Untergrund immer Leute geben wird, die den ursprünlichen Gedanken am Leben erhalten. Hardcore, Punkrock und Metal ist seit über 20 Jahren eine wichtige Konstante meines Lebens. Dabei wird es wohl auch immer bleiben.
10. Die Bedeutung und Toleranz für Vegan/Vegetarismus, Tierrechte und Straight Edge nimmt langsam immer mehr ab. Wie wichtig sind diese für euch?
Wir haben Leute in der Band, die trinken und rauchen, und Leute, die es nicht tun. Das ist nicht wichtig. Es ist eine persönliche Sache und hat nichts mit der Person an sich zu tun. Wir sind echte Freunde und akzeptieren die Entscheidungen der anderen vollkommen. Tierrechte sind für uns schon wichtig, wir arbeiten mit Peta zusammen und leben bis auf Axel alle vegetarisch und vegan. Ich zum Beispiel war fast 16 Jahre Vegetarier und bin inzwischen vegan, weil ich immer wieder in Situationen gekommen bin, in denen ich mir selbst meinen Vegetarismus ethisch nicht mehr schönreden konnte. Aber auch da ist für uns Toleranz oberste Bandpflicht. Axel ist halt ein Spacken, der nur Comics liest und Knoppers isst. Da kann man nicht erwarten, dass er sich dafür entscheidet, vegetarisch zu leben. Sonst ist der Typ aber der Hammer, also was solls? Oh Mann, wenn er das liest, krieg ich wieder Haue.
11. War früher alles besser oder vieles schlechter?
Ich war früher besser in Form, aber schlechter im Bett.
12. Was für Bands feiert ihr gerade so ab?
Ich steh gerade hart auf Brand New, die neue Gallows, die neue Rancid, höre aber auch viel Rap und bin da momentan auf nem Nas- und Notorious B.I.G.-Trip. Ansonsten sind es bei uns eher die Neunziger, die uns geprägt haben und wo wir auch immer wieder landen. Ich würde zum Beispiel Axels Blinddarm dafür geben, wenn ich Ende Mai diesen Jahres bei der Burning Fight-Show in Chicago hätte sein können. Chokehold, Unbroken, Split Lip, Disembodied, Trial alle auf einer Show, oh Mann! Man darf nicht drüber nachdenken.
13. Letzte Worte?
Slayer.
Website: www.myspace.com/waterdown
Tourtagebuch: http://downwithwaterdown.blogspot.com
Was steckt hinter eurem Bandnamen?
Wir sind alte Typen, die auf jung machen. Allerdings mehr schlecht als recht. Zacken singt und kommt aus Bünde bei Bielefeld. Phil und Axel spielen Schlagzeug und Gitarre und kommen beide aus Ibbenbüren. Holger spielt Gitarre und wohnt mittlerweile in Münster, und ich bin Christian, Bassist und aus Osnabrück. Das klingt ziemlich verstreut, ist es aber gar nicht wirklich. Wir haben drei Alben auf Victory Records veröffentlicht („Never Kill The Boy On The First Date“, 2001 / „The Files You Have On Me“, 2003 / „All Riot“, 2006), ausserdem eine EP auf Two Friends Recordings („drawasmilingface“, 2000) und eine Split-EP mit der kanadischen Band By A Thread, die auch ein ziemlich geiles Album auf Revelation gemacht haben. Die Split ist auch auf Two Friends und von 2002. 2008 haben wir dann unsere momentan neueste EP veröffentlicht, die „Powersnake“ heißt und auf Blacktop Records erschienen ist. Wir machen Musik, die uns gefällt. Das kann ziemlich unterschiedlicher Kram sein, wenn man sich alle Releases vor Augen führt. Das ist immer ein bisschen abhängig davon, was uns gerade begeistert. Grundsätzlich stehen wir auf Hardcore, Metal und Punkrock gleichermaßen, haben aber auch ein Faible für Emo, wie er in den Neunzigern gemacht wurde. Wir wurden in den letzten Jahren öfter in die Screamo- bzw. Metalcoreschiene gesteckt, dort fühlen wir uns aber überhaupt nicht wohl. Wir sind wie gesagt alt und haben mit jungen Bands und Trends nix zu tun. Wir ziehen unsere Einflüsse eher aus Snapcase, den Gorilla Biscuits, Lifetime, Slayer, Faith No More, Rancid und Alice In Chains als aus neueren Bands. Enge Hosen und schiefe Frisuren sind auch nicht unser Ding, damit würden wir bei unserem Bandübergewicht auch echt beschissen aussehen.
Unser Bandname bedeutet „verwässern“, was sich in unserem Fall auf das Verwässern, also Schönreden von Aussagen und Taten bezieht, um so besser dazustehen. Etwas, das in unserer Gesellschaft in allen Schichten weit verbreitet ist. Ich würde unseren Namen daher als klassisch-kritischen Hardcore/Punkbandnamen bezeichnen, den man natürlich auch politisch interpretieren darf.
2. Erstmal Glückwunsch zum 10 Jährigen. Wann wird das passende neue Album dazu kommen?
Danke. Wir nehmen gerade Demos für das Album auf und sind zu dem Entschluss gekommen, dass uns zur absoluten Zufriedenheit noch ein Song fehlt. Daran arbeiten wir also parallell zu den Demoaufnahmen. Sobald alles fertig ist und wir zufrieden sind, nehmen wir richtig auf und wollen das Album auf jeden Fall noch in diesem Jahr raushauen. Wir wissen nur noch nicht, wo genau. Wir werden uns mit den fertigen Aufnahmen auf Labelsuche begeben. Da wir unser eigenes Studio haben und unser Drummer Phil unser Produzent ist, haben wir keinen Zeitdruck. Wir arbeiten so lange an den Songs, bis wir alle komplett von den Socken sind. Das ist ein ziemlicher Luxus.
3. Bei euch läuft vieles gerade seit einiger Zeit ruhiger ab. Woran liegt es?
Das liegt einerseits daran, dass wir nicht mehr auf Victory sind und damit nicht mehr die Maschine im Rücken haben, die die nun mal ans Laufen bringen können, wenn sie wollen. Auch wenn wir noch viel gemacht haben, bekommt man das eben jetzt nicht mehr an jeder Ecke aufs Brot geschmiert wie früher. Wir waren aber 2007 mit den Gorilla Biscuits auf Europatour, haben letztes Jahr unsere EP gemacht und sind dafür auch auf Headlinertour gewesen. Dann haben wir noch einige Festivals gespielt (zum Beispiel in Lettland) und die Deutschlandshows von Thrice supportet. Das ist ja nun nicht nix. Man hat es vielleicht nur nicht immer so mitbekommen. Allerdings sind wir mittlerweile auch alle im Berufsleben und nicht mehr in der Lage, so oft zu touren, wie wir es als Studenten noch waren. Wir würden zwar gerne mehr machen, aber das ist leider finanziell kaum möglich, wenn man wie Phil und ich selbständig ist, schon lange nicht mehr bei den Eltern wohnt und auch sonst keine Unterstützung bekommt. Wir machen halt so viel, wie wir können, ohne uns dabei zu ruinieren. Von der Musik leben konnten wir noch nie, arbeiten mussten wir immer, aber die Umstände sind auf jeden Fall schwieriger für uns geworden. Ist ja auch alles teurer als früher. Wir haben aber immer noch sauviel Bock auf diese Band, und deshalb werden wir in absehbarer Zeit auch nicht aufhören.
4. Was für interesante Städte und Länder habt ihr bereist? Gibt es da eine besondere nette(/schreckliche Anekdote zu erzählen?
Also, wir waren in den zehn Jahren ziemlich viel unterwegs und haben über 600 Shows in 15 Ländern gespielt. Highlights und schreckliche Erlebnisse gab es da echt viele. Die erwähnte Tour mit den Gorilla Biscuits war für uns eine riesengroße Sache, weil wir uns damit einen Traum erfüllen konnten. Wir sind halt absolute Biscuits-Fans und stehen auch sauhart auf Civ, Quicksand, Rival Schools und die ganzen anderen Sachen, die die Typen in ihrem Leben gemacht haben. Das sind Legenden! Uns war vollkommen bewußt, dass wir auf der Tour nicht auf Gegenliebe beim Publikum stoßen würden, aber darum ging es uns nicht. Wir haben 17 Shows der Tour mitgespielt, haben sie jeden Abend live gesehen und hatten eine wahnsinnig gute Zeit mit ihnen. Außerdem fühlten wir uns geehrt, weil die Biscuits uns eingeladen haben. Da wurden ja viele Gerüchte verbreitet, die ziemlich an den Haaren herbeigezogen sind, aber in Wirklichkeit kam der Kontakt zustande, weil wir mal zwei Shows mit Rival Schools gespielt haben, Walter uns also kannte, und der Tourmanager von GB uns ebenfalls noch von unserer 2000er Tour mit Snapcase und Avail in Erinnerung hatte. Die haben nach ner deutschen Band gesucht und sind auf uns gekommen. Andere Sachen, an die wir uns immer zurückerinnern werden, sind die US-Tour 2001, bei der wir fünf Wochen unter anderem mit Thursday, Drowningman und Skycamefalling unterwegs waren und im CBGB’s spielen durften. Wir waren zwei Wochen vor den Anschlägen am 11. September 2001 noch an den Twin Towers und sollten eigentlich am 11.September von Newark, NJ aus zurückfliegen. Weil unser damaliger Sänger Marcel aber Stimmprobleme hatte, mußten wir etwas früher nach Hause. Das ist ein ziemlich krasser Gedanke. Auf dieser US-Tour alleine haben wir unglaubliche Sachen erlebt, die aber den Rahmen hier definitiv sprengen würden. Vielleicht schreiben wir das mal irgendwo auf und veröffentlichen unsere Memoiren, haha. Ansonsten fallen mir gerade die Tour mit Sick Of It All und Rise Against 2002 ein, die für uns ebenso irreal war wie die mit GB. Und die mit Pennywise und Stretch Arm Strong in England und Holland 2005. Was Länder und Städte angeht, muss man auf Tour immer aufpassen, dass man sich Zeit nimmt, um wirklich die Chancen zu nutzen, so viele Dinge wie möglich zu sehen. Es besteht ein bisschen die Gefahr, dass man sich nur im Van und im Club aufhält und gar nicht viel von der eigentlichen Stadt und dem Land mitbekommt. Das haben wir lange nicht gepackt und damit sicher viel verpaßt. Inzwischen achten wir da sehr genau drauf und versuchen, so viel wie möglich zu sehen. Lettland war ein Kulturschock, Paris war der Hammer, Rom, Barcelona und London auch.
5. Was heisst Touren für euch? Flucht aus dem Alltag, Stress, oder Party?
Das kommt wohl drauf an, wen von uns du in welcher Laune erwischst. Die Antworten können da ziemlich unterschiedlich ausfallen. Es gibt bei uns Leute, die sich um alles kümmern, und Leute, die sich nen Lenz machen und hauptsächlich lesen und Süßigkeiten vertilgen, haha. Nee, im Ernst: Touren ist etwas, dass, wenn die Stimmung in der Band gut ist, das beste Erlebnis überhaupt sein kann. Da ist es auch vollkommen egal, ob man vor zehn oder vor 1.000 Leuten am Abend spielt. Es ist definitiv eine Flucht, die uns hilft, mit dem Arbeitsalltag klarzukommen. Trotzdem vermisst man Freundinnen, Familien und Freunde, wenn man lange unterwegs ist. Und stressig ist es auf jeden Fall auch oft, vor allem für diejenigen von uns, die sich um fast alles kümmern. Das sind bei uns Phil und ich. Party ist es auch, meistens aber für die anderen. ;)
6. Gibt es in Osnabrück eine Core-Szene? Ist Ibbenbüren wirklich so geil, manche behaupten, das wäre HC-City No1 ?
Osnabrück hat so gut wie keine wirkliche Szene. Es gibt inzwischen zwar einen ganz guten Club und auch wieder DIY-Shows in Wohnzimmern, aber von einer wirklichen Szene mit vielen Bands, Veranstaltern und Kids würde ich nicht sprechen. Ibbenbüren ist schon ein Phänomen, auch wenn ich das nicht unbedingt auf die wirkliche HC-Szene beschränken würde. Allgemein die Vielzahl guter Bands und die Größe der alternativen Punk- und Hardcore-Szene, aber auch die Unterstützung der Kids für lokale Bands ist schon ein ziemlicher Hammer. Wenn man die Größe der Stadt bedenkt, ist das Aufkommen von Bands, szeneaktiven Leuten und Kids wirklich ungewöhnlich.
7. Mal ehrlich die Three Chords-Leute überbewerten Münster oder? Wollt ihr zu der Stadt und ihrer angeblichen Spitzenreiterrolle Stellung nehmen?
Ich bin kein Münsteraner und bin nur manchmal auf Shows dort, finde aber, dass man der Stadt schon in jeder Sekunde ansieht, dass es dort viele Clubs und Shows gibt, dass Green Hell dort beheimatet ist und dass der Titus Skateboard-Mailorder dort seinen Sitz hat. Man sieht wirklich ungewöhnlich viele Kids, die man der Hardcore-, Punkrock-und Skate-Szene zuordnen kann. Gute Bands gibt’s dort aber auch an jeder Ecke, von daher ist Münster schon recht weit vorne in Deutschland, denke ich. Das Gleiche kann man aber momentan auch über viele andere Städte und Gegenden in Deutschland sagen, finde ich. Alleine was im Osten in der Gegend um Roßwein und Saalfeld seit Jahren geht, ist echt beeindruckend.
8. Um den Konflikt auszubauen, wem gehört eher euer Fussballherz?
Preussen Münster oder VfL Onsabrück?
Ach, wir sind nicht wirklich große Fußballfans. Früher als Kinder waren wir das eher, aber auch da waren wir nicht lokalpatriotisch unterwegs. Ich war zum Beispiel damals Werder Bremen-Fan. Das war allerdings zur Zeit von Völler und später Kalle Riedle, ist also inzwischen echt lange her. Wie gesagt, wir sind alt.
9. Was bedeutet Hardcore 2009 für euch? Haben sich Werte und Einstellungen geändert?
Hardcore bedeutet für mich persönlich, zu meinen Einstellungen und den Entscheidungen, wie ich mein Leben lebe, zu stehen. Ich will damit aber niemanden überzeugen und beeinflussen. Ob sich Werte und Einstellungen für andere geändert haben, weiß ich nicht. Das will ich mir aber auch nicht anmaßen, da jetzt irgendwen zu kritisieren. Vielleicht ist die Szene größer geworden und dadurch von ihren Ursprüngen entfernt worden. Das finde ich aber nicht wichtig, weil es im Untergrund immer Leute geben wird, die den ursprünlichen Gedanken am Leben erhalten. Hardcore, Punkrock und Metal ist seit über 20 Jahren eine wichtige Konstante meines Lebens. Dabei wird es wohl auch immer bleiben.
10. Die Bedeutung und Toleranz für Vegan/Vegetarismus, Tierrechte und Straight Edge nimmt langsam immer mehr ab. Wie wichtig sind diese für euch?
Wir haben Leute in der Band, die trinken und rauchen, und Leute, die es nicht tun. Das ist nicht wichtig. Es ist eine persönliche Sache und hat nichts mit der Person an sich zu tun. Wir sind echte Freunde und akzeptieren die Entscheidungen der anderen vollkommen. Tierrechte sind für uns schon wichtig, wir arbeiten mit Peta zusammen und leben bis auf Axel alle vegetarisch und vegan. Ich zum Beispiel war fast 16 Jahre Vegetarier und bin inzwischen vegan, weil ich immer wieder in Situationen gekommen bin, in denen ich mir selbst meinen Vegetarismus ethisch nicht mehr schönreden konnte. Aber auch da ist für uns Toleranz oberste Bandpflicht. Axel ist halt ein Spacken, der nur Comics liest und Knoppers isst. Da kann man nicht erwarten, dass er sich dafür entscheidet, vegetarisch zu leben. Sonst ist der Typ aber der Hammer, also was solls? Oh Mann, wenn er das liest, krieg ich wieder Haue.
11. War früher alles besser oder vieles schlechter?
Ich war früher besser in Form, aber schlechter im Bett.
12. Was für Bands feiert ihr gerade so ab?
Ich steh gerade hart auf Brand New, die neue Gallows, die neue Rancid, höre aber auch viel Rap und bin da momentan auf nem Nas- und Notorious B.I.G.-Trip. Ansonsten sind es bei uns eher die Neunziger, die uns geprägt haben und wo wir auch immer wieder landen. Ich würde zum Beispiel Axels Blinddarm dafür geben, wenn ich Ende Mai diesen Jahres bei der Burning Fight-Show in Chicago hätte sein können. Chokehold, Unbroken, Split Lip, Disembodied, Trial alle auf einer Show, oh Mann! Man darf nicht drüber nachdenken.
13. Letzte Worte?
Slayer.
Website: www.myspace.com/waterdown
Tourtagebuch: http://downwithwaterdown.blogspot.com
tobicore - 8. Jun, 18:05










