Interview: Blackout Argument

1. Stellt euch mal kurz zum Anfang vor, wer was in der Band macht, woher ihr kommt und seit wann es die Band gibt usw?
Raphael: Hey, wir sind THE BLACKOUT ARGUMENT aus München. THE BLACKOUT ARGUMENT sind Phil (Drums), Chris Z. (Guitars), Eric (Bass), Chris L. (Guitars) und ich am Gesang. Die Band gibt es jetzt seit rund 3 Jahren und wir konnten bisher mit Boysetsfire, Comeback Kid / Parkway Drive, Architects, This Is Hell / Dead Swans touren und haben in der Zeit 2 Alben und 3 EP s released.

2. Was macht ihr hauptberuflich?

Raphael: Chris Z. Arbeiten als Usability Engineer und Content Manager an der Uni München, Phil hat ein Recording Studio (Suiseidl Records), Eric studiert, Chris L. Ist selbständig in der Medienbranche und ich arbeite als Erzieher in einer Rehaklinik für psychosomatisch kranke Jugendliche.

3. Die Frage, warum man kostenfrei, eine ganze EP mit einer extra aufwendig gestalteten Page und Artwork macht, habt ihr sicherlich schon öfters beantwortet, vielleicht könnt ihr es dennoch die Gründe kurz da legen.

Chris: Die Idee hinter "Smile Like A Wolf" war, unsere Musik den Hörern ohne Umwege zugänglich zu machen. Jeder von uns kennt das, wenn wir von einer neuen Band hören die uns interessiert gehen wir als aller erstes auf Myspace oder deren Webseite um dort Songs anzuhören und mehr infos zu bekommen. Niemand rennt sofort in den Plattenladen und holt sich blind die CD, dazu ist dieser Tonträger einfach zu teuer und bei der großen Anzahl an neuen Bands / Releases die jährlich erscheinen summiert sich das in utopische finanzielle blackourt argument
Höhen. Was man in der Regel jedoch auf der Webseite oder dem Myspace-Profil der Band findet ist vollkommen unbefriedigend. Entweder liegen die Songs in miesester Qualität vor oder man kann sie nicht downloaden, es fehlen Infos, Songtexte, Artwork, etc. Ein Song ist schnell mal online gestellt, aber ein richtiges "Online Release" so wie wir das mit "Smile Like A Wolf" gewünscht haben gibt es nie. Deshalb haben wir uns bei der Entwicklung der Download-Seite (www.smilelikeawolf.com) auch dementsprechend viel Mühe gegeben. Wir wollten alle wichtigen Informationen auf einer Seite zusammenfassen, dazu einen Audio-Player für die Leute die die Songs zuerst auschecken wollen bevor sie sie downloaden, und eine Download-Sektion in der man nicht nur die mp3s bekommt sondern auf Wunsch auch WAV-Dateien in maximaler Audioqualität und ein komplettes CD-Artwork mit Booklet, Inlay, allen Texten etc. Um das ganze so einfach wie möglich zu machen haben wir auch komplett auf eine E-Mail-Registrierungspflicht oder den Weg über einen Myspace-Friend-Request (wie PENNYWISE das beispielsweise mit ihrem neuen Album gemacht haben) verzichtet. Egal ob jemand THE BLACKOUT ARGUMENT schon kennt oder erst ganz neu auf uns aufmerksam geworden ist, "Smile Like A Wolf" ist die einfachste und beste Möglichkeit an dieser Band teilzuhaben.
Den Zeitpunkt der Veröffentlichung von "Smile Like A Wolf" haben wir mit Juni 2008 bewusst gewählt. Zum einen diente das Release zur Überbrückung bis zu unserem nächsten regulärem Album "Remedies" auf LIFEFORCE RECORDS welches erst im Februar 2009 erschien. Zum anderen wollten wir die Chance nutzen um unseren neuen Sänger Raphael nicht nur live sondern auch in aufgenommener Form den Leuten vorzustellen. Er ist zwar schon seit Sommer 2007 dabei, aber "Smile Like A Wolf" sind die ersten Aufnahmen die wir mit ihm gemacht haben (von seinem Guest-Vocal Part bei "Share it Or Leave it" des "Decisions" Albums mal abgesehen).

4. Raphael, du bist seit den Aufnahmen der besagten Outputs dabei. Wie kam denn der Wechsel am Mikro zustande?

Ich habe mal gelesen, dass ihr euch von alten Exgruppen kennt?
Raphael: Stimmt. Als Sinan aus persönlichen Gründen ausgestiegen ist, kannte ich die Jungs schon. Ich sang damals in einer Badn namens FOR HEAVEN'S SAKE. Chris Z. Hat mich gefragt und nach kurzer Überlegung war ich mit im Boot.

5. Nach der Online EP ist eurer neues und zweites Album ?Remedies? erschienen. Die musikalische Steigerung, vor allem der facettenreiche Gesang, ist deutlich hörbar. Wie waren die Resonanzen von Medien und Fans?
Raphael: Wir bekamen sehr viel positives Feedback von Zines und Kids. Wir waren überrascht, da wir überhaupt keine Ahnung hatten, wie ?Remedies? ankommen würde. Wir haben einfach drauflos geschrieben und nicht viel nachgedacht.

6. Ist Remedies ein Konzeptalbum? Verbirgt sich hinter dem Titel ein textliches Pinzip?
Chris: Wir haben usn eine Menge Gedanken zum Album-Konzept gemacht da wir, genau wie auf "Decisions" neben den Texten und der Musik noch eine dritte Ebene haben wollten auf der wir mit dem Hörer kommunizieren können. Die Grundidee basiert auf der "Bachblüten Therapie", einem homöopathischen Heilansatz bei dem aus verschiedensten Blüten stark verdünnte Essenzen gewonnen werden die bei allen nur denkbaren Gefühlszuständen und Situationen zum Einsatz gebracht werden können. Neben dem sogenannten "Rescue Remedy", eine Bachblüten-Kombination die in Schock-Situationen hilft, gibt es quasi für jede Form des Unbehagens eine bestimmte Bachblüte. Ich selbst bin mit Bachblüten groß geworden und sie haben mich meine ganze Kindheit und Jugend begleitet. Dabei hat sich für mich nie die Frage gestellt ob das jetzt Humbug ist oder inwieweit homöopathische Mittel aufgrund der geringen Konzentration überhaupt etwas bewirken können. Es hat einfach funktionert und das war das Entscheidende.
Analog zu den Bachblüten behandeln die einzelnen Songs auf ?Remedies? ebenfalls verschiedene Gefühlszustände. Es war sehr leicht für jeden Song die passende Bachblüte zu finden und so haben alle Songs neben ihrem regulären Namen auch noch einen Blüten-Namen (z.B. heisst der Song "Dead But So Alive" noch ?"ILD OAT" oder "The Ravine" WILLOW, etc.). Die Idee dahinter ist, dass diese Songs, das ganze Album, bzw. Musik im allgemeinen ?Heilmittel? sind, sowohl für den Rezipienten als auch für uns, die Musikschaffenden.

7. Ihr habt einen eigenen Fanclub gegründet. Meistens machen das Band aus kommerzielle Gründe um Geld abzuschäpfen. Bei euch ist es ein familiäres faires Konzept. Wollt ihr es mal vorstellen und dem Leser erklären, warum man mitmachen könnte?
Raphael: Stimmt. Bei den TROUBLE KIDS (www.myspace.com/boasupporters) haben beide Seiten etwas davon. Die Supporter bekommen nach der Anmeldung Stuff for free und einen Supporter Ausweis, mit dem sie auf unsere Shows umsonst reinkommen. Außerdem sind noch für die Zukunft limitierte Shirts nur für Supporters geplant und wir bleiben in e-mail Kontakt mit den Kids. Dafür verteilen sie Promo CDs und Flyer, taggen Sticker und Poster.
Chris: "Fanclub" ist vielleicht auch nicht so das richtige wort, das klingt so nach fußballverein oä. "Supporter" trifft es eigentlich am besten. Es geht darum dass kids die The Blackout Argument cool finden die Möglichkeit bekommen uns über das normale Maß hinaus zu unterstützen und am Bandleben näher dran zu sein. Wir bemühen uns einen möglichst engen und intensiven Kontakt zu den Trouble Kids zu pflegen und bisher zahlt sich das für beide Seiten super aus.

8. Ich kenne euch und Heartbreak Kid aus München.
Welche weitere Bands gibt es dennoch? Gibt es in eine aktive Core-Szene?

Chris: Geht so. Es gibt schon eine ganze Reihe bands, die meisten davon legen allerdings wenig oder keinen wert darauf überregional von sich hören zu lassen. Das soll jetzt keine Kritik sein, auch diese Art eine Band zu führen macht auf gewisse weise Sinn aber für Blackout Argument wäre das nie was gewesen. Leider stoßen wir mit unserem Konzept oft auf Mißgunst und unausgesprochene Kritik. Aber du wolltest wahrscheinlich ein paar namen hören, richtig? PANGAEA (rip), GHOSTCHANT, RED TAPE PARADE (nicht wirklich aus München..), LOFI INFERNO, etc.

9. Wie l(i)ebt man in München, der Hauptstadt des CSU-Staates?

Chris: Lieben? Bei Abenddämmerung an der Isar in einer lauen Sommernacht... Ich bin mir nicht sicher ob ich deine Frage richtig verstehe, jedenfalls ist München seit Jahren SPD-regiert.

10. Wie bewertet ihr die Entwicklung der Hardcore-Szene?
Ausverkauf oder Weiterentwicklung?

Raphael: Das ist echt schwierig zu sagen. Es gibt in der Tat nur noch wenige Bands, die mich kicken. Es gibt mitlerweile einfach eine riesen Flut an Bands, aber es sind kaum noch wirklich neue Sachen dabei. Aber solange es Kids gibt, die die Werte des Hardcores (damit meine ich Toleranz, Zusammenhalt, Rücksicht, Antirassismus, Antifaschismus, Antisexismus, usw.) , mit denen ich jedenfalls aufgewachsen bin, weitertragen, wird Hardcore immer am Leben bleiben. blackourt argument
Das ist jetzt aber auch nur eine der vielen Sichtweisen, was Hardcore für einen bedeuten kann. Für manche ist es auch nur harte Musik.
Chris: Auch Ausverkauf kann eine gewisse Form der Weiterentwicklung darstellen. Die Vergangenheit hat gezeigt dass solche Tendenzen dann ziemlich schnell wieder zu einer Abspaltung des "harten kerns" (hard-core) geführt hat was letzendlich den essenziellen "Selbsterhaltungsmechanismus" der Szene darstellt. Es steckt also auch immer etwas gutes in solchen negativen Entwicklungen.

11. Spielt für euch Straight Edge, Vegetarismus oder Veganismus eine Rolle?
Raphael: Ja. Chris Z. Und ich sind Straight Edge. Eric, Chris Z. Und ich Vegetarier. Beides hat für uns eine rein persönliche Bedeuteung und kommt in den Texten nicht vor.

12. Die Frage ist sicherlich weit in die Zukunft gedacht, aber gibt es den schon Pläne für ein Album für nächstes Jahr?
Raphael: Ja. Es gibt zwar noch kein Releasedate, aber das Songwriting läuft und das nächste Album wird 2010 voraussichtlich released.

13. Seid ihr Freunde des ledernen Balls? Dann mal Fakten auf den Tisch, wer für welchen Vereins schwärmt.

Raphael: Haha! Wir kicken höchstens mal selber. Fans sind wir keine.

14. Ihr spielt ja sehr viel, bis jetzt habt ihr einen Bogen um Stuttgart gemacht? Pure Absicht oder einfach keine Gelegenheit? ;-) Spielt mal hier?
Raphael: Gerne. Bisher ergab sich einfach nichts! :-)

15. Möchtet ihr noch Grüsse ausrichten oder irgendwas mitteilen?
Raphael: Vielen Dank für das Interwiev. Hat mir Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten. Hoffe, wir sehen uns mal auf ner Show.

Raphael und Chris / THE BLACKOUT ARGUMENT

www.theblackoutargument.com
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