Interview: Tackleberry
1. Stellt euch mal kurz zum Anfang vor, wer was in der Band macht, woher ihr kommt und was ihr für Musik spielt
Hallo Freunde, ich hoffe ich darf schon Freunde sagen. Ich bin Taube, Drummer der Kieler Hardcorepunkband Tackleberry. Außerdem spielen noch Brille, Rakete, Hammer und Laune in dieser Band. Seife macht unser Label.
2. Ihr habt ein neues Album seit März draussen.
Erzählt mal vom Sound und vom Inhalt….
Das ist richtig. Also das etwas sperrig betitelte Werk „Reinventing Appetite for Destruction“ zeichnet sich in erster Linie durch Kürze aus, kann auf den zweiten Blick aber durch sehr schickes Artwork und, dem geneigten Hörer, durch schnellen, melodischen bis harten Hardcorepunk gefallen. Uh, Schachtelsatz. Die Texte sind so mit Sozialkritik und manchmal mit Liebe. Cool ist, das wir die Platte eigentlich bis auf einen Song in der jetzigen Besetzung geschrieben haben, vielleicht klingts dadurch alles etwas homogener.
3. Wie haben die Medien und Fans darauf reagiert?
Eigentlich genau wie erwartet, teilweise sind die Reviews sogar sehr vorhersehbar ausgefallen. Das mit der Kürze ist ein zurecht häufig genannter Kritikpunkt, viel mehr wird denn aber meist nicht bemängelt. Ich glaub n paar Leute können mit dem größeren Punkeinfluss nicht so gut um, deren geringe Zahl ist aber als zu verschmerzender Schaden abzutun. Evtl. leidet die, im Vergleich zu den ersten Veröffentlichungen, natürlich viiiel bessere Platte darunter, dass die Leute nicht mehr so gespannt darauf waren, wie TB wohl auf Platte klingen würden und dementsprechend nicht so viele Exemplare gekauft haben. Kommt vielleicht noch, mal sehen was passiert...
4. Was für interessante Städte und Länder habt ihr bereits? Gibt es da eine besondere nette/schreckliche Anekdote zu erzählen?
Oha, es passiert immer ne ganze Menge und dann irgendwie auch wieder nix. Touring is often boring. Also klar, wir sind gut rumgekommen mittlerweile, ich denke so knapp 20 Länder dürften wir mittlerweile bespielt haben. In Russland haben wir z.B. extrem positive, aber leider auch sehr traurige Dinge mitbekommen.
Und auf der Fähre nach Schweden haben wir mal den Bassisten von Backsight vergessen. Im Winter. Der Arme hatte weder ne Jacke noch nen Plan, wo er hinsollte. Nach so 1,5 Stunden haben wir ihn dann aber wieder am Hafen eingesammelt. Haha, köstlicher Anblick. Is aber auch keine neue Story. Hm...
5. Was heisst Touren für euch? Flucht aus dem Alltag, Stress, oder Party?
All of the Above. Darüber hinaus Anzicken, frieren, besser essen als zu Hause, mehr saufen als zu Hause, schlüpfrige Gespräche, lachen, Kopf schütteln, schämen, Sightseeing, pupsen, Freunde treffen, Anarchie.
6. Gibt es in Kiel eine Core-Szene?
Nee, eigentlich ist diese nicht der Rede wert. Und eigentlich ist uns das so auch ganz recht. Es gibt ne recht aktive Punkszene ( Punk als übergeordnete Begrifflichkeit ), der relativen Provinzialität der Stadt wegen ist diese Szene aber nicht weiter unterteilbar, der Deutschpunker kann gut mit dem Hardcoremädel und so. Traditionell kommen hier auch immer wieder geile Bands her, die auch eigentlich alle immer sehr doll gegenseitig beeinflussen und unterstützen. Von den neueren Bands sind Any Port in the Storm, Alert und Affenmesserkampf ( Semi-Eigenwerbung stinkt!) erwähnenswert. Bands mit A sind der heisse Scheiss hier.
7. Ihr sprecht euch gegen die Tough Guy – Scheisse aus, ist es in Norddeutschland ein weit verbreitetes Problem?
Überhaupt nicht. Aber wir kommen ja ganz gut rum und haben deshalb ja trotzdem ein Anrecht uns gegen diesen Müll auszusprechen. Wenn wir Werte wie gegenseitigen Respekt und allgemeine Gleichheit gegen Survival-of-the-Fittest- Rumgepose eintauschen, dann Gute Nacht Punkszene!
Bei uns war vor Kurzem mal so ein Violent Dancing- Geier auf ner AZ- Show, er wurd aber eigentlich kollektiv belächelt.
8. Man hat das Gefühl, dass ihr eine der wenigen deutschen HC-Bands seid, denen subversive politische Texte wichtig sind. Zeit zum auskotzen, was regt euch am meissten auf? Warum sollte man sich politisch betätigen?
Echt, hast du das Gefühl? Ganz ehrlich, ich hab eigentlich eher das Gefühl dass wir noch recht gemässigt sind. Na gut, ich muss aber zugeben, mich unter den wirklichen Hardcorebands nicht allzu gut auszukennen. Jedenfalls in einem Maße dass ich mich ausführlich mit deren Texten auseinander setze. Wenn ich mir Deny Everything anhöre, dann finde ich die noch weit expliziter und radikaler als uns. Trotzdem ist deine Frage interessant. Hm, mich persönlich kotzt ne ganze Menge an. Mich nervt zum Beispiel ziemlich doll, dass es so viele Leute immer noch nicht hinkriegen, mal darüber nachzudenken, dass ihre Sprache und ihre Aktionen andere Leute aktiv oder passsiv einschränken oder verletzen können. Ich bin in den letzten zwei Tagen zweimal Zug gefahren, die erste Fahrt stand unter dem Motto „besoffene Fußballidioten verkünden lautstark was sie von den Mädels vor ihnen halten“, die zweite unter „Klassenkameraden fertigmachen, der ist nämlich bestimmt schwul“. Wahrscheinlich ist einfach allgemeine und allgegenwärtige Dummheit und Ignoranz ziemlich zum kotzen. Und ja, es ist wichtig sich politisch zu betätigen, jedenfalls so gut wie es eben geht.
9. Gibt es in Kiel eine Core-Szene? Wenn ja, wie sieht diese aus?
Hatten wir schon;-)
10. Was bedeutet Hardcore 2009 für euch? Haben sich Werte und Einstellungen geändert?
Hm, wir sind eher nicht aus der reaktionären Früher-war-alles-besser Ecke. Ich find sogar dass Hardcore oder Punk eine recht positive Entwicklung durchgemacht hat. Es gibt, soweit ich das überblicken kann, viel mehr Bands und Leute die man als sozial und politisch bewusst einstufen könnte, was natürlich auch einfach mit der größeren Menge an Bands und Leuten zu tun hat. Des Weiteren find ich das musikalische Level eigentlich höher als je zuvor...
11. Die Bedeutung und Toleranz für Vegan/Vegetarismus, Tierrechte und Straight Edge nimmt langsam immer mehr ab. Wie wichtig sind diese für euch?
… und da kann ich gleich weitermachen. Einhergehend mit der größeren Popularität von Hardcore werden meiner Meinung nach auch viel mehr Leute mit Ideen wie Veganismus überhaupt konfrontiert. Ich hab wirklich keine Ahnung wie die Situation vor 10 Jahren aussah, hab aber bisher immer gedacht, dass solche Konzepte eher von der jüngsten Entwicklung profitiert haben als andersrum.
Das Verhältnis von Vegan und Vegetarisch in unserer Band ist genau 4:1, damit stehen wir wohl ganz gut da, groß an die Glocke hängen tun wir das aber nicht, ist auch eher so ein persönliches Ding jeweils.
12. War früher alles besser oder vieles schlechter?
Ja, keine Ahnung, würde ich sagen. Rein gefühlsmäßig wars früher eher schlechter. Es ist jetzt halt alles sehr viel einfacher, deswegen aber nicht per se schlechter. Das Internet wird ja immer als der große Scene Destroyer dargestellt, seh ich aber eigentlich genau andersrum.
13. Was für Bands feiert ihr gerade so ab?
Paint it Black immer wieder, die neue 7“ ist schon wieder so unverschämt gut. Ansonsten eigentlich recht wenig Hardcorezeug. Eher innovative, eigenständige, relevante, intelligente Punkmusik jeglicher Spielart. Die ganzen neuen Hardcoresachen klingen eh alle recht ähnlich, das macht live Spaß, dafür dass wir sie wirklich abfeiern, reichts denn aber meist nicht.
14. Letzte Worte?
Danke fürs Interesse und sorry für die späten Antworten!
Gruss Traube
Hallo Freunde, ich hoffe ich darf schon Freunde sagen. Ich bin Taube, Drummer der Kieler Hardcorepunkband Tackleberry. Außerdem spielen noch Brille, Rakete, Hammer und Laune in dieser Band. Seife macht unser Label.
2. Ihr habt ein neues Album seit März draussen.
Erzählt mal vom Sound und vom Inhalt….
Das ist richtig. Also das etwas sperrig betitelte Werk „Reinventing Appetite for Destruction“ zeichnet sich in erster Linie durch Kürze aus, kann auf den zweiten Blick aber durch sehr schickes Artwork und, dem geneigten Hörer, durch schnellen, melodischen bis harten Hardcorepunk gefallen. Uh, Schachtelsatz. Die Texte sind so mit Sozialkritik und manchmal mit Liebe. Cool ist, das wir die Platte eigentlich bis auf einen Song in der jetzigen Besetzung geschrieben haben, vielleicht klingts dadurch alles etwas homogener.
3. Wie haben die Medien und Fans darauf reagiert?
Eigentlich genau wie erwartet, teilweise sind die Reviews sogar sehr vorhersehbar ausgefallen. Das mit der Kürze ist ein zurecht häufig genannter Kritikpunkt, viel mehr wird denn aber meist nicht bemängelt. Ich glaub n paar Leute können mit dem größeren Punkeinfluss nicht so gut um, deren geringe Zahl ist aber als zu verschmerzender Schaden abzutun. Evtl. leidet die, im Vergleich zu den ersten Veröffentlichungen, natürlich viiiel bessere Platte darunter, dass die Leute nicht mehr so gespannt darauf waren, wie TB wohl auf Platte klingen würden und dementsprechend nicht so viele Exemplare gekauft haben. Kommt vielleicht noch, mal sehen was passiert...
4. Was für interessante Städte und Länder habt ihr bereits? Gibt es da eine besondere nette/schreckliche Anekdote zu erzählen?
Oha, es passiert immer ne ganze Menge und dann irgendwie auch wieder nix. Touring is often boring. Also klar, wir sind gut rumgekommen mittlerweile, ich denke so knapp 20 Länder dürften wir mittlerweile bespielt haben. In Russland haben wir z.B. extrem positive, aber leider auch sehr traurige Dinge mitbekommen.
Und auf der Fähre nach Schweden haben wir mal den Bassisten von Backsight vergessen. Im Winter. Der Arme hatte weder ne Jacke noch nen Plan, wo er hinsollte. Nach so 1,5 Stunden haben wir ihn dann aber wieder am Hafen eingesammelt. Haha, köstlicher Anblick. Is aber auch keine neue Story. Hm...
5. Was heisst Touren für euch? Flucht aus dem Alltag, Stress, oder Party?
All of the Above. Darüber hinaus Anzicken, frieren, besser essen als zu Hause, mehr saufen als zu Hause, schlüpfrige Gespräche, lachen, Kopf schütteln, schämen, Sightseeing, pupsen, Freunde treffen, Anarchie.
6. Gibt es in Kiel eine Core-Szene?
Nee, eigentlich ist diese nicht der Rede wert. Und eigentlich ist uns das so auch ganz recht. Es gibt ne recht aktive Punkszene ( Punk als übergeordnete Begrifflichkeit ), der relativen Provinzialität der Stadt wegen ist diese Szene aber nicht weiter unterteilbar, der Deutschpunker kann gut mit dem Hardcoremädel und so. Traditionell kommen hier auch immer wieder geile Bands her, die auch eigentlich alle immer sehr doll gegenseitig beeinflussen und unterstützen. Von den neueren Bands sind Any Port in the Storm, Alert und Affenmesserkampf ( Semi-Eigenwerbung stinkt!) erwähnenswert. Bands mit A sind der heisse Scheiss hier.
7. Ihr sprecht euch gegen die Tough Guy – Scheisse aus, ist es in Norddeutschland ein weit verbreitetes Problem?
Überhaupt nicht. Aber wir kommen ja ganz gut rum und haben deshalb ja trotzdem ein Anrecht uns gegen diesen Müll auszusprechen. Wenn wir Werte wie gegenseitigen Respekt und allgemeine Gleichheit gegen Survival-of-the-Fittest- Rumgepose eintauschen, dann Gute Nacht Punkszene!
Bei uns war vor Kurzem mal so ein Violent Dancing- Geier auf ner AZ- Show, er wurd aber eigentlich kollektiv belächelt.
8. Man hat das Gefühl, dass ihr eine der wenigen deutschen HC-Bands seid, denen subversive politische Texte wichtig sind. Zeit zum auskotzen, was regt euch am meissten auf? Warum sollte man sich politisch betätigen?
Echt, hast du das Gefühl? Ganz ehrlich, ich hab eigentlich eher das Gefühl dass wir noch recht gemässigt sind. Na gut, ich muss aber zugeben, mich unter den wirklichen Hardcorebands nicht allzu gut auszukennen. Jedenfalls in einem Maße dass ich mich ausführlich mit deren Texten auseinander setze. Wenn ich mir Deny Everything anhöre, dann finde ich die noch weit expliziter und radikaler als uns. Trotzdem ist deine Frage interessant. Hm, mich persönlich kotzt ne ganze Menge an. Mich nervt zum Beispiel ziemlich doll, dass es so viele Leute immer noch nicht hinkriegen, mal darüber nachzudenken, dass ihre Sprache und ihre Aktionen andere Leute aktiv oder passsiv einschränken oder verletzen können. Ich bin in den letzten zwei Tagen zweimal Zug gefahren, die erste Fahrt stand unter dem Motto „besoffene Fußballidioten verkünden lautstark was sie von den Mädels vor ihnen halten“, die zweite unter „Klassenkameraden fertigmachen, der ist nämlich bestimmt schwul“. Wahrscheinlich ist einfach allgemeine und allgegenwärtige Dummheit und Ignoranz ziemlich zum kotzen. Und ja, es ist wichtig sich politisch zu betätigen, jedenfalls so gut wie es eben geht.
9. Gibt es in Kiel eine Core-Szene? Wenn ja, wie sieht diese aus?
Hatten wir schon;-)
10. Was bedeutet Hardcore 2009 für euch? Haben sich Werte und Einstellungen geändert?
Hm, wir sind eher nicht aus der reaktionären Früher-war-alles-besser Ecke. Ich find sogar dass Hardcore oder Punk eine recht positive Entwicklung durchgemacht hat. Es gibt, soweit ich das überblicken kann, viel mehr Bands und Leute die man als sozial und politisch bewusst einstufen könnte, was natürlich auch einfach mit der größeren Menge an Bands und Leuten zu tun hat. Des Weiteren find ich das musikalische Level eigentlich höher als je zuvor...
11. Die Bedeutung und Toleranz für Vegan/Vegetarismus, Tierrechte und Straight Edge nimmt langsam immer mehr ab. Wie wichtig sind diese für euch?
… und da kann ich gleich weitermachen. Einhergehend mit der größeren Popularität von Hardcore werden meiner Meinung nach auch viel mehr Leute mit Ideen wie Veganismus überhaupt konfrontiert. Ich hab wirklich keine Ahnung wie die Situation vor 10 Jahren aussah, hab aber bisher immer gedacht, dass solche Konzepte eher von der jüngsten Entwicklung profitiert haben als andersrum.
Das Verhältnis von Vegan und Vegetarisch in unserer Band ist genau 4:1, damit stehen wir wohl ganz gut da, groß an die Glocke hängen tun wir das aber nicht, ist auch eher so ein persönliches Ding jeweils.
12. War früher alles besser oder vieles schlechter?
Ja, keine Ahnung, würde ich sagen. Rein gefühlsmäßig wars früher eher schlechter. Es ist jetzt halt alles sehr viel einfacher, deswegen aber nicht per se schlechter. Das Internet wird ja immer als der große Scene Destroyer dargestellt, seh ich aber eigentlich genau andersrum.
13. Was für Bands feiert ihr gerade so ab?
Paint it Black immer wieder, die neue 7“ ist schon wieder so unverschämt gut. Ansonsten eigentlich recht wenig Hardcorezeug. Eher innovative, eigenständige, relevante, intelligente Punkmusik jeglicher Spielart. Die ganzen neuen Hardcoresachen klingen eh alle recht ähnlich, das macht live Spaß, dafür dass wir sie wirklich abfeiern, reichts denn aber meist nicht.
14. Letzte Worte?
Danke fürs Interesse und sorry für die späten Antworten!
Gruss Traube
tobicore - 21. Jun, 22:08










