My Elegy

1. Stellt euch mal kurz zum Anfang vor, wer was in der Band macht,
woher ihr kommt und was ihr für Musik spielt.
Was steckt hinter eurem Bandnamen?

Also wir sind MY ELEGY, eine Metalcoreband aus dem Raum Karlsruhe (Bruchsal). Wir haben ne klassische Besetzung mit 5 Leuten: die Vokillz übernimmt Kev, an den Gitarren sind Dave und Norman, am Bass wummst Christoph und die Schießbude bedient Markus. My Elegy bedeutet so viel wie Klagelied. Eine Elegie ist ursprünglich ein in Distichen verfasstes Gedicht, das einen Trauer- und Klagecharakter aufweist. Als sich My Elegy gründete hatten wir einen amerikanischen Freund da, der mehrere Vorschläge für einen Bandnamen einbrachte. Wir entschieden uns dann für My Elegy aus zwei Gründen: zum einen war der Name schön eingängig und zum anderen drückte er eine Grundstimmung aus, die in den damaligen Songs eingefangen wurde. Das heißt natürlich nicht, dass wir per se ein extrem melancholischer Haufen sind…das ist sicher nich der Fall. Wir feiern gerne. Aber wir wollten einen repräsentativen Namen für unsere Botschaften. Allerdings muss auch gesagt werden, dass unsere Themen jetzt wesentlich weiter gefächert sind (damals konzentrierten wir uns viel auf so Beziehungskram). Heute sind wir weitestgehend philosophisch unterwegs – so lässt sich Kritik nämlich sehr metaphorisch ausdrücken...letzten Endes würden wir uns aber nicht als politische Band sehen. Wir machen immer noch Musik, also eine der sieben „alten Künste“. Zu viel Politik würde die Kunst zerstören und umgekehrt: zu viel Kunst verwässert die politische Botschaft. Aufgrund dieser Dialektik sehen wir uns eher nicht als politische Band, sondern vor allem als Band, die Musik machen will. Das sollte als Band auch mal das Hauptanliegen sein: Musik machen und Spaß haben!!!

2. Was für interessante Städte und Länder habt ihr bereist?
Was heißt Touren für euch?
Flucht aus dem Alltag, Stress, oder Party?(Anekdoten? Stichwort: Verlorenes Rad auf der Autobahn... ^^)

Um ehrlich zu sein, sind wir bisher noch nicht wirklich aus Deutschland rausgekommen. Wir hatten dieses Jahr nen Gig in Österreich in der Nähe von Bregenz. Da war vor allem die Hinfahrt extrem schön, weil das Gebiet dort im Vorarlberg echt super schön ist. Da könnt man auch schön so ein Berghäuschen kaufen und sich zurückziehen…vielleicht sollte man da oben irgendwo ein Tonstudio rein bauen. Wäre auf jeden Fall für die Kreativität super, da man sich nicht so schnell ablenken lässt :) Außerdem wird uns der Österreich-Gig ewig in Erinnerung bleiben, weil Dave bei der Heimfahrt sein rechtes Vorderrad auf der Autobahn verloren hat. Es ist ihm, Norman und auch anderen nichts passiert. Ebenso blieb das Equipment heil und das Auto konnte auch noch repariert werden. An und für sich ne glimpfliche Sache…und daher sau lustig. Man kann heute noch sehen, dass das passiert ist, weil Dave, nachdem er das Rad verloren hatte, auf sein Auto eingeschlagen hat und das Teil jetzt überall verbeult ist :)

Touren…ja, das wär super. Touren würde für uns heißen: wenigsten 2-3 Wochen unterwegs zu sein (aber am besten so lange wie möglich), jeden Abend zu spielen und sich danach wahrscheinlich aufzulösen, weil wir uns nicht mehr ausstehen könnten…haha, Spaß…aber schon so ähnlich. Wir glauben aber nicht, dass wir uns so derb auf den Sack gehen würden, weil wir uns schon ewig kennen und auch schon vor My Elegy zusammen rumgehangen haben (z.T. schon seit wir kleine Scheißer im Kindergarten waren). Natürlich würde Touren irgendwann zum Alltag werden. Aber das geilste daran (und allgemein am Musikmachen) ist, dass man so viele verschiedene und auch interessante Leute trifft, was von der Welt sieht und kein Mensch auf der Welt einem diese Erfahrung nehmen kann! Vielleicht steht aber schon nächstes Jahr ne Tour an…mal abwarten!

3. Laut eurer HP stammt ihr aus Bruchsal/Baden....Existiert bei euch eine "HC - Szene" - sprich habt ihr die Möglichkeit auf Konzerte zu gehen, ohne direkt stundenlang mit dem Auto fahren zu müssen, wenn ja, wie stark werden diese wahrgenommen?
Konzerte sind hier en masse! Das ist nicht das Problem. Durch engagierte Promoter wie die Jungs von Mount Caldera hat die Region Karlsruhe das Glück, dass eigentlich jedes Wochenende ne fette Band oder ein ganzes Tourpackage am Start ist!!! Einfach mal selbst abchecken: http://www.myspace.com/mountcaldera

Also stundenlang is das ja nicht! Und wenn mal in Karlsruhe nichts ist, dann fährt man halt nach Weinheim, Stuttgart oder Wiesbaden! Das Ding is eher das mit der „HC-Szene“. Schön, dass ihr das schon in Anführungszeichen gesetzt habt. Damit wollen wir schon eure fünfte Frage vorausgreifen. Wer genau sagt, was die HC-Szene ist, wer dazugehört und wer ausgegrenzt wird. Je nachdem, wen du fragst, bekommst du verschiedene Antworten. Das ist doch alles Mist. Am Ende ist diese Frage, ob der Hardcore noch lebendig ist, und wenn ja, was Hardcore denn eigentlich ist, sowieso für den Arsch. Man, Leute, wir machen Musik! Dann geht’s natürlich weiter mit den ganzen Genrebezeichnungen im Metal. Immer mehr Bezeichnungen für Subgenres und Subsubgenres erblicken das Licht der Welt, was allerdings auch dazu führt, dass das Ganze immer unübersichtlicher und diffuser wird. Bei diesem ganzen Kategorisierungsdrang sollte allerdings eines nicht vergessen werden: wir machen alle immer noch Musik. Das Schubladendenken kann dabei manchmal hinderlich sein. Daher sollten die Leute mal wieder ein bisschen von ihrem Kategorisierungswahn runter kommen und die Bands nicht nach ihrer „Gruppenzugehörigkeit“ beurteilen (z.B. „die sind ja gar nicht straight edge – also hör ich sie mir nicht an“ oder „lange Haare und keine Breakdowns? Das kann ja nur scheiße sein“), sondern nach dem, was wirklich zählt: ihre Musik! Was uns betrifft sind wir – wenn man jetzt das Wort „Metalcore“ zerlegen würde – eher Metal als Hardcore, sowohl was Musikalische als auch das „Ideologische“ betrifft. Dazu aber unten mehr.

4. Ich selbst nehmt für euch in Anspruch, dass man euch nicht in eine Schublade steckt...Sind eure privaten musikalischen Vorlieben genauso breit gefächert? Und wie stark finden sich diese Vorlieben in den Songs von "My Elegy" wieder?

Natürlich sind wir musikalisch nicht nur auf die Musik beschränkt, die wir selbst spielen…das wäre fast wie Inzucht :). Und natürlich gibt es nicht nur diese Art von Musik! Man sollte nochmal rekapitulieren, was Musik eigentlich ist: es ist ein Weg, sich auszudrücken! Ein Kommunikationsmittel, das nicht nur die kognitive Ebene, sondern vor allem auch die affektiv-emotionale Ebene anspricht. Musik ist eine anthropologische Konstante, die Menschen haben schon immer Musik gemacht. Also, sich auf eine Art Musik zu beschränken wäre daher sehr naiv. Daher läuft bei uns so ziemlich alles (das variiert natürlich innerhalb der Band, ebenso wie gewisse Vorlieben). Die einzige Ausnahme bilden da Volksmusik und Schlager…damit können wir nicht wirklich viel anfangen. Wichtig ist vor allem, dass die Musik etwas ausdrückt und dass man denen, die diese Musik machen, auch abnimmt, was sie machen – dass sie also glaubhaft rüberbringen, dass sie hinter dem stehen, was sie tun und dass sie wirklich Spaß daran haben! Das ist wesentlich wichtiger als eine bestimmte Art von Musik zu spielen, weil sie jetzt gerade „in“ ist! Und natürlich sind verschiedene Einflüsse auch in unserer Musik zu finden…das lässt sich ja nicht vermeiden. Aber das genau aufzudröseln wäre jetzt zu umständlich.

5.Was bedeutet Hardcore 2009 für euch? Haben sich Werte und Einstellungen geändert?
Wie gesagt, da sind wir ja schon weiter oben drauf eingegangen. Aber wir können offen und ehrlich sagen, dass Hardcore für uns weniger eine Rolle spielt. Wir kommen eher aus dem Metalbereich, wenn man das so aufgliedern möchte. Die Idee, die ursprünglich hinter der Hardcore-Bewegung steckte, ist eine gute Idee. Damals wollte man wirklich auch einen politischen Standpunkt vertreten. Wir haben aber die Dialektik zwischen Politik und Kunst bereits weiter oben angesprochen! Wenn man sich viele Hardcore-Kids heute ansieht, dann kommt es einem so vor, dass sie eben mitziehen, weil es ne Mode ist und ein Weg, sich „aufzulehnen“. Natürlich gibt es immer auch die Leute, die Hardcore wirklich leben – es also nicht nur als Modeerscheinung auffassen, sondern wirklich als Lebensphilosophie. Aber um ganz ehrlich zu sein, ist uns die ganze Sache zu verwaschen, um wirklich ein Statement abzuliefern. Wir machen nur die Musik, die wir um ihrer selbst willen lieben! Ob uns die Leute jetzt mögen oder nicht, sollte sie ausschließlich durch unsere Musik entscheiden!

6.Spielt für euch Straight Edge/Veganismus/Vegetarismus eine Rolle?
Nein, aber das haben wir ja bereits erklärt. Und eine andere Antwort wäre gelogen. Dabei hat sich Dave, unser Gitarrist schon wissenschaftlich dem Thema genähert. Er hat eine Studie über die Bedeutung von Gewalt in der „Metalcore-Szene“ verfasst. Bei Interesse können wir sie euch ja zukommen lassen. Auch da hatte er mit dieser ganzen Kontroverse um Straight Edge etc. zu tun (was so aber nicht in der Arbeit auftaucht). Festzuhalten bleibt schließlich, dass die ganze Idee an sich verfälscht ist, wenn man aus „modischen“ Gründen – also um einem Trend zu folgen – eine tiefergehende Bewegung, wie sie hinter dem „Straight Egde“-Gedanken steckt, übernimmt. Da wir diesem Trend nicht hinterherlaufen und aber aus voller Überzeugung nicht „straight edge“ sein können, ist das alles für uns kein Thema!

7. So, das war‘s auch schon...Habt ihr noch irgendwelche Dinge, die ihr loswerden wollt bzw. die eurer Meinung nach unbedingt mal gesagt werden müssen?
Musik ist zuallererst mal Musik. Also wollen wir auch nach unserer Musik beurteilt werden. Denn wir haben so viel Spaß mit unserer Musik und wollen dieses Gefühl mit so vielen Leuten wie möglich teilen, die unsere Musik auch geil finden – unabhängig, ob sie jetzt einer gewissen Ideologie, Religion oder Ethnie angehören. Musik hat die Macht, alle Grenzen zu sprengen und die Menschen zusammenzubringen. Das ist doch wirklich das Geile daran!

Und wenn einige Leser jetzt interessiert an uns und unserer Musik sind, dann könnt ihr uns ja besuchen. Das geht unter: www.myspace.com/myelegy

Über Reaktionen würden wir uns sehr freuen! Und vielleicht gibt’s hier auch bald noch ein Review zu unserer CD und den myspace-Songs. Eine kritische Auseinandersetzung mit unserem Material würde uns natürlich genauso freuen, wie uns dieses Interview gefreut hat!

Interview by David (BK HC- Team)

Mail: bk-hc@web.de

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